Theorie der Hafenmanöver für Segelboote - Theorie zum Ab- und Anlegen unter Segeln

vg

Theoretische Grundlagen zu den Hafenmanövern unter Segeln

Theorie aus der Praxis für die Praxis.

Es handelt sich auch nur um vier zu merkende Punkte.

1. Windrichtungen

Allgemein

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Wind zum Ablegen und Anlegen unter Segeln

Für das Ab- und Anlegen mit einem Segelboot gibt es hingegen nur zwei Windrichtungen:

Sie müssen also nur ablandig von auflandig unterscheiden.

Das wollen wir uns an einem idealisierten Hafen einmal verdeutlichen:

Ablandiger und auflandiger Wind

Ablandiger Wind und auflandiger Wind

Bilderläuterung:

Wind-Regel

Ferner meine ich es wirklich so: Spätestens beim Betreten des Steges muss man die Windrichtung zum ersten Mal bestimmt haben. Danach sollte man immer wieder einmal hochschauen, bis man schließlich ablegt. Vor allem an Binnenseen kommt es unerwartet oft vor, dass sich die Windrichtung ändert.

Gewöhnen Sie sich einen routinemäßigen Blick nach oben zum Wind an.

Scheinbarer Wind auf dem Wasser

Während man am Land an stehenden Objekten immer den wahren Wind erkennen kann, so ist die Windbestimmung auf einem fahrenden Wasserfahrzeug draußen - weit vor dem Hafen - schwieriger:

Wahrer und scheinbarer Wind sowie Fahrtwind

Wahrer und scheinbarer Wind sowie Fahrtwind.
Der auf dem Wasserfahrzeug sicht- und messbare (grüne) scheinbare Wind ergibt sich aus der Addition der zwei anderen Vektoren: Fahrtwind und wahrer Wind.

2. Welches Segel man zum Ablegen und zum Anlegen benötigt

Um diese zweite Frage beantworten zu können, müssen wir uns erst einmal kurz mit einem Segelboot und den Kräften daran befassen.

Kräfte am Segelboot

Betrachten wir nun zuerst einmal die Folgen für ein Segelboot, wenn nur ein Großsegel gesetzt ist:

Das Großsegel Druckpunkt hinten

Seitenansicht: Das Großsegel hat den Druckpunkt weit hinter dem Bootsdrehpunkt. - Dadurch ergibt sich eine Hebelkraft, welche das Boot dreht.

Das Großsegel macht das Segelboot luvgierig

Aufsicht aus der Vogelperspektive: Das Großsegel macht das Segelboot luvgierig.
Dadurch, dass der Hebel der Windkraft hinter dem Drehpunkt / Masseschwerpunkt der Yacht ansetzt, wird der Bug durch die Hebelkraft zum Wind gedreht.

Für mathematische Kenner sei angemerkt, dass physikalisch noch weitere Hebelkräfte am Drehpunkt der Yacht ansetzen, welche das Boot (mit dem Bug) zusätzlich nach Luv (hin zum Wind) drücken. Aber der Einfachheit halber reicht hier die Hauptkraftkomponente zum Verständnis aus.

Wer es noch nicht glaubt, kann es mit einem Bleistift ausprobieren: Legen Sie diesen flach auf den Tisch und halten Sie ihn mit zwei Fingern einer Hand am Drehpunkt fest. Drücken Sie dann mit einem Finger der anderen Hand hinten quer dagegen. Daraufhin wird sich die Spitze (also der Bug) in die Gegenrichtung drehen.

Betrachten wir nun noch die Folgen für ein Segelboot, wenn nur ein Vorsegel gesetzt ist.

Das Vorsegel Druckpunkt vorne

Seitenansicht: Das Vorsegel hat den Druckpunkt weit vor dem Masseschwerpunkt. - Dadurch ergibt sich eine Hebelkraft, welche das Boot dreht.

Das Vorsegel macht das Segelboot leegierig

Aufsicht aus der Vogelperspektive: Das Vorsegel macht das Segelboot leegierig.
Dadurch, dass der Hebel der Luftkraft vor dem Drehpunkt / Masseschwerpunkt der Yacht ansetzt, wird der Bug durch die Hebelkraft weg vom Wind gedreht.

Merkregel

Nun könnten Sie sich bereits alle Ab- und Anlegemanöver grob selbst bestimmen.

3. Segel setzen und bergen im Wind

Man kann die (meisten) Segel nur setzen und bergen, wenn man dazu mit dem Segelboot im Wind steht. Daraus folgt, dass das Segelboot mit dem Bug (vordere Spitze des Bootes) dazu exakt in den Wind - also genau in die Windrichtung - zeigen muss.

Mit Segel setzen meint der Segler das Hochziehen und mit Segel bergen das Herunterziehen / Herunterlassen eines Segels. Dazu werden spezielle Leinen verwendet, die man beim Segel das Fall / die Fallen nennt. Jedes Fall trägt den Namen des zugehörigen Segels - also Großfall, Fockfall, Genuafall, Spinnakerfall etc. Bei kleinen Segelboten wird das Fall nur mit der Hand bedient. Bei großen Segelbooten kommen auch eine Winsch, manchmal mit Kurbel und manchmal sogar mit Kurbel-Untersetzungsgetriebe zum Einsatz.

killendes Großsegel im Wind

Aufsicht aus der Vogelperspektive: killendes Großsegel (blau) im Wind. - Unter killen versteht der Segler das Schlagen des Segels im Wind.
Rot darunter ist der Baum zu erkennen. Der rote Kreis vorne ist der Mast.

Die Gründe hierfür sind vielfältig:

Nur mit dem Segelboot exakt im Wind stehend funktioniert das Setzen / Heißen des Großsegels und das Bergen (Herunterholen) leicht, schnell und sauber (ohne Probleme).

Daraus folgt, dass man sich zum Segel-Setzen und zum Segel-Bergen (vor allem des Großsegels) immer - sowohl im Hafen als auch vor dem Hafen - eine Stelle suchen muss, bei der man exakt im Wind stehen kann.

4. Wege-Recht beim Ab- und Anlegen

Das war alles. Im Prinzip könnten Sie nun sofort selbst lossegeln. Denn alles Folgende lässt sich aus diesen wenigen Details herleiten.

Zugegeben: nur fast. Zumindest einmal wollen wir es gemeinsam durchspielen. Also beginnen wir mit den Vorbereitungen zum Ablegen.

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Segeln 21 - Dr. Schuhmacher

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