Vorbereitungen zum Ablegen unter Segeln

vg

Mit etwas Vorbereitung funktionieren alle Hafenmanöver - Ab- und Anlegemanöver unter Segeln - bei jedem Wetter und mit jeder Mannschaft.

Passende Kleidung

Piekfeine Segelkleidung eignet sich am besten zum offiziellen Clubempfang sowie für das schicke Ausgehen zum Essen. Für das sportliche Segeln empfehlen erfahrene Fachleute eher dem Sport angemessene Kleidung. Hier geht es auch nicht um das Sonnen oder Baden bei Flaute auf dem Wasser, sondern um wichtige Arbeiten auf dem Segelboot. Beginnen wir von oben:

Im Hafen: Die Windrichtung im Auge behalten

Betreten und Beladen der Yacht

Als Zuschauer ist es immer wieder ein Erlebnis zuzusehen, wie manche versuchen, sich das Leben dabei schwer zu machen. Deshalb ein paar Praxistipps:

Kurzeinführung

Segelboot Seitenansicht

Seitenansicht eines Segelbootes mit Segel. - Hier das große Bild

Segelboot Takelage

Segelboot Takelage. - Hier das große Bild

Segelboot Aufsicht auf den Rumpf aus der Vogelperspektive

Segelboot: Aufsicht auf den Rumpf aus der Vogelperspektive. - Hier das große Bild

Das Vorbereiten des Segelbootes

Bevor wir absegeln können, müssen wir unser Boot segelfertig machen.

Sicherheitsausrüstung

Wasser lenzen

Segel anschlagen

Dann werden die Segel angeschlagen (an den richtigen Stellen am Segelboot befestigt).

  1. Zuerst sollte man das Unterliek des Großsegels (untere Kante des dreieckigen Segels) in die Baumkeep (eine Art Nut oder Schiene im Baum) einführen.
  2. Dann wird der Hals des Segels (möglichst eng am Mast) befestigt.
  3. Danach erst wird das Unterliek am Schothorn befestigt.
    Befestigt man zuerst das Schothorn respektive zieht es zu sehr nach hinten zur Baumnock, dann liegt der Hals zu weit vom Mast entfernt und das Großsegel wird nicht sauber hochgezogen werden können, weil beim Setzen das Vorliek (die Segelvorderkante) in der Mastkeep klemmt. Je nach Segelboot, kann man das Schothorn auch noch später mittels eines im Baum verlaufenden Unterliekstraffers im Baum nachziehen. In solch einem Fall sollte man das Unterliek zum Segelsetzen eher locker fahren, also ggf. noch nicht anziehen. Letzteren Feintrimm des Segels kann man auf solchen Yachten auch nach dem Segelsetzen durchführen, um sich das eigentliche Segelsetzen deutlich zu erleichtern.
  4. Danach wird das Großfall (Leine zum Hochziehen des Großsegels) am Kopf (obere Ecke des Segels) angeschlagen. Entweder hat es hierzu einen Schäkel am Fall, oder man verwendet einen Palstek bei Leinen.
    Bitte achten Sie hierbei darauf, dass das Fall nicht losgelassen wird. Sie können sich ansonsten fast immer darauf verlassen, dass genau in diesem Moment jemand am anderen Tampen (Ende der Leine) zieht, und das Fall nach oben zum Masttopp rauscht. In jenem Fall könnten Sie dann, nach gewissem Zeit- und Kraftaufwand, die grandiose Aussicht auf den Hafen von der Spitze des Takelmastes (einer sehr hohen, irgendwo im Hafen stationär befestigten Leiter) genießen.
  5. Nach dem Anschlagen des Großfalles am Kopf des Segels wird das Vorliek (die vordere Kante des Segels) ca. 20 cm in die Mastkeep eingeführt und das Großfall belegt (an meist einer Klampe am Mast festgeknotet).
    Es geht beim Anschlagen des Segels nur darum, dass das Kopfbrett des Großsegels im Mast in der Mastkeep sicher hält. Vor allem in der Box / dem Liegeplatz im Hafen sollte man es vermeiden, das Segel zu hoch zu ziehen. Denn bei dem geringsten Seitenwind kommt Druck darauf, wodurch evtl. das Segel über Bord ins Wasser gedrückt wird, oder sogar das ganze Segelboot ungewollt Fahrt aufnimmt.
  6. Erst zum Schluss werden die Segellatten in die Lattentaschen gesteckt, weil sie vorher beim Arbeiten am Segel stören und ggf. sogar zerbrechen können. - Es sei der Vollständigkeit halber darauf hingewiesen, dass diese Latten meist nicht schwimmen.
  7. Falls Ihr Baum in der Höhe am Lümmelbeschlag an einer Schiene am Mast höher gesetzt werden kann, sollte man ihn vor dem Segelsetzen in die maximale Position nach oben schieben. Je höher er hier positioniert wird, desto mehr Kopffreiheit besitzen Sie auch während des Segelns.
Das Großsegel anschlagen

Das Großsegel anschlagen. - Hier das große Bild

Glücklich kann sich jeder schätzen, der sein Großsegel nur auf dem Baum auftucht. Dazu legt man es - nach dem Segeln - in gleichgroßen Buchen links und rechts über den Baum. D.h. auch die Segellatten bleiben am Großsegel angebracht. Dies erleichtert die Arbeit am nächsten Segeltag erheblich. Dann muss man vor dem Absegeln meist nur das Großfall an den Kopf anschlagen und das Kopfbrett in die Mastkeep einführen sowie ggf. den Lümmelbeschlag hochsetzen.
Manche Segler lassen auch das Großfall am Kopfbrett angeschlagen, was jedoch nicht gerne gesehen wird. Denn dann ist es lose und schlägt bei Wind die ganze Nacht an den Mast, wodurch die Gastlieger evtl. in ihrem Schlaf gestört werden.

Vorsegel anschlagen

Wer eine Rollfock / Rollgenua besitzt, muss meist auch nur noch deren eigene Rollfockpersenning entfernen. Sie wird meist mit dem Spinnaker-Fall hochgezogen und entsprechend wieder abgesenkt, wobei man den langen Reißverschluss öffnen muss. Dann muss man evtl. bei einem meist in Kopfhöhe angebrachten Sicherungsbändsel, der das ungewollte Öffnen der Rollfock verhindert, den Knoten lösen und verstaut diesen Sicherungsbändsel an seinem Platz, wo man ihn ggf. auch wieder schnell findet. - Ferner klariert man den Rollfockbändsel. Das ist die lange, meist dünne Leine, mit der die (ausgerollte) Rollfock wieder eingerollt wird. Klarieren meint hier: Alle Knoten entfernen und die Leine locker auf das Deck legen, sodass sie sich nachher frei abrollen kann und so das Ausrollen der Fock nicht behindert.

Wer klassische Segel fährt, muss diese in gleicher Reihenfolge wie beim Großsegel an das (oder eines der dann oft mehreren) Vorstage anschlagen:

  1. Zuerst rollt man das Vorsegel auf dem Vordeck vorsichtig aus - mit dem Hals nach vorne zum Bug und dem Schothorn (meist mit der bereits befestigten Schot daran) nach hinten in Richtung des Mastes.
  2. Dann beginnt man zuerst mit der Befestigung des Halses am speziellen Fock-/Genua-Beschlag am Bug.
  3. Sofern vorhanden, hakt man dann die Stagreiter des Vorsegels von unten beginnend in das Vorstag ein.
  4. Danach schlägt man das Vorfall (Fockfall / Genuafall) an den Kopf des Vorsegels - zieht das Fall jedoch nicht an, sondern lässt es locker und somit das Segel sehr tief auf dem Vordeck. Denn hier wird ein Seitenwind noch schneller das Segel über Bord wehen. Dennoch wird das andere Ende des Falles selbstredend korrekt an der dazugehörenden Klampe am Mast belegt. - Ansonsten droht auch hier ein Extra-Runde zum Takelmast.
  5. Oft muss man noch die Vorsegelschot am Schothorn anbringen oder zumindest die zwei Schoten auf der Steuerbord- und der Backbordseite nach hinten durch die dafür vorgesehenen Umlenkrollen und zu den Winschen führen. Das ist je nach Segelgröße (Unterliekslänge) und Wanten (-anzahl) je nach Schiff unterschiedlich. Manche größere Yachten besitzen für kleinere Focks und größere Genuas sogar zwei komplett getrennte Systeme mit eigenen Umlenkrollen sowie separaten Winschen. - Genau deshalb ist es sinnvoll, zuerst eine kurze Einführung in das jeweilige Schiff zu geben.
  6. Danach sollte man das so angeschlagene Segel noch mit (je nach Größe) 1 bis 3 Bändseln locker zusammenbinden und an Reelingsstützen an einer Bordseite befestigen, damit es einerseits aus dem Weg ist und andererseits auch bei starken Seitenwindböen sicher liegt.
    Übrigens: Wer den einleitenden Rat befolgt hat und immer wieder nach dem Wind schaute, der weiß jetzt auch bereits, auf welcher Bordseite er das Vorsegel an die Reeling bindet. Man erspart sich viel Arbeit, wenn es zum späteren Segelsetzen bereits auf der Leeseite liegt. Denn klassische Vorsegel werden üblicherweise nicht ganz im Wind stehend, sondern hoch am Wind gesetzt, damit man beim Arbeiten / Setzen am Mast nicht vom wild um sich schlagenden Schothorn mit Schäkel und den Schoten am Kopf getroffen wird.

Manche Segler werden nun einwenden, dass es nicht sinnvoll ist, ein klassisches Vorsegel vorab anzuschlagen, sofern man es zum Ablegen nicht zwingend benötigt, weil man beim Verholen im Hafen darauf - vor allem, wenn das Segel und das Vordeck durch Regen nass sind, - ausrutschen kann, oder es bei Seitenwind dennoch über Bord gehen kann.

Schoten

Segeln hat wie Schachspielen viel mit (á priori) Denken zu tun: Wer abends völlig erschöpft ist und dazu noch Muskelkater hat, der hat etwas falsch gemacht.

Starkwind

Falls es die Windverhältnisse erfordern, wird selbstverständlich bereits im Hafen ein Reff in das Großsegel eingebunden und / oder die Vorsegelfläche reduziert und Schwimmwesten werden angelegt.

Warnhinweise

Je nach Segelrevier finden sich Warnanlagen. Am Bodensee - wie auch vielen anderen Alpenseen - ist z.B. ein gut ausgebautes Blinklichtsystem vorhanden, an welchem man sich orientieren kann. - Hier die wirklich aktuellen Warnhinweise für die drei Seeteile.

Individuelle Entscheidung

Reffen

Schwimmwesten

Fender

Liegeplatz

Nun sind wir startbereit.

Weiter geht's: Verholen im Hafen.

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Segeln 21 - Dr. Schuhmacher

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